Totale Identitätsverwirrung (Coming Out)

by Mathilda, Sunday, July 08, 2018, 11:28 (161 days ago)

Hallo alle,

ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand mit seinen Erfahrungen zur Seite stehen könnte. Seit einiger Zeit vermute ich bisexuell zu sein und momentan empfinde ich es eher als Belastung denn als Offenheit für Neues. Das überrascht mich selbst, weil sich die Gefühle von Angst und Beklemmung eigentlich nicht mit meiner rationalen Einstellung vertragen, will sagen, ich sähe bei einer anderen Person überhaupt keinen Grund dafür.

Vorneweg: ich hatte noch nie einen ernsthaften sexuellen Kontakt mit einer Frau. Als Jugendliche habe ich ein paar Mal andere Mädchen geküsst. Das ging allerdings nie von mir aus und ich habe es auch nie als sonderlich intensiv empfunden, so dass es mir Lust auf mehr oder Wiederholung gemacht hätte. Jungs hingegen habe ich sehr gerne und ausdauernd geküsst. Trotzdem habe ich mich schon immer auch zu Frauen hingezogen gefühlt, allerdings menschlich, nicht sexuell und ich hatte immer ein Gefühl von Freude darüber, dass Frauen auch mit Frauen zusammensein können, vielleicht eine Art Solidaritätsgefühl, ein Gönnen. Meine Freundschaften zu Frauen können sind in der Regel sehr eng, so dass sie sich beinahe wie Beziehungen anfühlen, verliebt war ich aber nie in eine Frau oder mit anderen Worten: ich kann Frauen ganz toll und schön finden und das Gefühl haben von ihnen gemocht werden zu wollen, aber daraus haben sich weder romantische Gefühle noch sexuelles Begehren entwickelt. Eher hatte ich den Eindruck, das männliche Element zu vermissen, so sehr ich die Nähe der Freundschaft auch genoss.

In Männer hingegen war ich oft sehr heftig und ausdauernd verliebt, konnte ihnen aber nie richtig nahe kommen, es fühlt sich an, als gäbe es eine Sperre, eine Distanz, die mich daran hindert, mich wirklich mit einem Mann als Menschen zu verbinden, als könnte ich nicht zulassen, dass er ganz bei mir "ankommt", bzw. ich ihn in mir aufnehme. Das gilt leider auch für den Geschlechtsverkehr. Ich liebe den männlichen Körper, die Stimme, den Geruch und nicht zuletzt den Penis. Alles was man so abgesehen von Geschlechtsverkehr mit Männern machen kann, genieße ich sehr, insbesondere auch Fellatio. Beim Geschlechtsverkehr selbst jedoch fühle ich mich blockiert und verliere den Kontakt zum Mann, bzw. ich habe den Eindruck, er würde die Connection aufgeben und nur noch sein eigenen Ding machen. Häufig kommt es auch vor, dass ich dabei Schmerzen habe, in allen Stellungen von hinten stößt der Penis mir unangenehm an den Gebärmutterhals. Ich versuche es immer wieder auszuhalten, weil ich dem Mann seinen Spaß nicht verderben möchte. Andererseits waren die wenigen vaginalen Orgasmen, die ich erlebt habe auch die besten Orgasmen, also jene, die mich am meisten befriedigt haben.

Mein letzter Freund war nur an sehr harten Sexpraktiken interessiert, es war immer eine Art Pornoimitation. Meine Schmerzen hat er mir vorgeworfen, als würde etwas mit mir nicht stimmen. Erst vermutete er, es gäbe eine körperliche Ursache, da sonst alle Frauen total begeistert von seinen Künsten seien, dann vermutete er, dass ich vielleicht lesbisch sein könnte. Ich habe mich fast drei Jahre lang in dieser Beziehung gequält, da ich mich intellektuell noch nie so gut mit einem Mann verstanden habe und er eine sehr angenehme männliche Ausstrahlung hat, von der ich mich sehr angezogen fühlte. Mir gefallen schlanke Männer mit fein geschnittenen Gesichtern, also solche die eine ausgeprägte weibliche Seite haben. Frauen, die mir gefallen, haben meistens was von "süßen Jungs", d.h. mein Männer und Frauentyp liegt sehr nah beieinander. Seit diese Beziehung beendet ist, weiß ich nicht, ob ich überhaupt jemals mit einem Mann zusammensein kann. Manchmal habe ich förmlich das Gefühl, mich einer Frau an die Brust werfen zu wollen und zu weinen. Aber etwas in mir wehrt sich ganz heftig. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass ich mir ein Kind wünsche und dafür nicht mehr allzu lang Zeit habe. Eine künstliche Befruchtung kann ich mir nicht vorstellen, ich meine Gene gerne mit jemand mischen, den ich liebe.

Ich hoffe, dass euch meine Beschreibung meiner Situation nicht unangenehm intim ist und würde mich sehr darüber freuen, wenn jemand seine Erfahrungen mit mir teilen könnte. Bis dahin liebe Grüße.


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