Was beim CSD in Berlin passiert ist, macht uns fassungslos. Eine Person hat ein Auto als Waffe genutzt und gegen Menschen eingesetzt, die gefeiert haben – für Sichtbarkeit, für Freiheit, einfach dafür, da zu sein. Es gab eine Tote und viele wurden – zum Teil sehr schwer – verletzt.
Unsere Gedanken sind bei den Opfern und bei allen, die Angehörige und Freund*innen verloren haben oder um sie bangen. Das lässt sich nicht in ein paar Sätze packen, aber unser Mitgefühl ist bei diesen Menschen.
Als queerer Verein fühlen wir uns durch die Community und durch den CSD vertreten. Das heißt: dieser Anschlag gilt auch uns als Teil der angegriffenen Community.
Wir kommen nicht daran vorbei, uns zu fragen: Wie konnte das passieren? Es ist nicht der erste Angriff auf queere Menschen oder queere Veranstaltungen. Es ist auch nicht der erste Angriff auf feiernde Menschen in Berlin. Warum wurde daraus offenbar nicht genug gelernt? Warum reicht der Schutz bei so einer großen, bekannten Veranstaltung nicht aus?
Und noch etwas beschäftigt uns: Anfang des Jahres hat die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan „Queer leben“ für beendet erklärt – einfach so, als Formalie abgehakt, während queer-feindliche Gewalt seit Jahren zunimmt. Wir wissen nicht, ob das mit diesem konkreten Anschlag etwas zu tun hat, aber es zeigt, wie wenig Priorität der Schutz queerer Menschen in der Politik gerade hat. Und genau das macht uns Angst: dass wir uns fragen müssen, ob wir gerade wieder dahin zurückfallen, wo wir schon mal waren – unsichtbar, allein gelassen und ungeschützt. Weder auf der Straße noch bei unseren eigenen Veranstaltungen.
Wir lassen uns davon nicht kleinkriegen und stehen weiter dafür ein, dass queeres Leben sichtbar sein kann, ohne Angst haben zu müssen. Aber Solidaritätsbekundungen reichen nicht. Es braucht endlich echten Schutz, echte Konsequenzen – und eine Politik, die queere Menschen nicht einfach als abgeschlossenes Kapitel behandelt.
Köln, 26. Juli 2026
Der Vorstand
