Heute ist der Trans Day of Visibility – ein Tag, der eigentlich feiern sollte, was so oft übersehen wird: Leben, Vielfalt und die schiere Existenz von trans*, nicht-binären und inter*Menschen. Ein Tag, der zeigt, dass Identität nichts ist, was erklärt oder gerechtfertigt werden muss, sondern einfach da ist. Und doch fühlt sich dieser Tag in diesem Jahr anders an. Bisexuelle Personen stehen selbst irgendwo zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Viele kennen das Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden, ihre Bisexualität wird als „Phase“ betitelt oder ihnen wird „Unentschlossenheit“ vorgeworfen. Aber für viele trans Personen geht es um weit mehr als Anerkennung – es geht um Sicherheit. Die politischen Debatten der letzten Monate machen das schmerzhaft deutlich. In Deutschland steht selbst das erst 2024 eingeführte Selbstbestimmungsgesetz wieder unter Druck, während gleichzeitig die Zahl transfeindlicher Übergriffe steigt. Was als Fortschritt galt, wird plötzlich zur Verhandlungsmasse. Und das erzeugt ein Gefühl, dass Rechte nie wirklich sicher sind. Der Trans Day of Visibility wurde geschaffen, um genau dem entgegenzuwirken – um nicht nur an Gewalt zu erinnern, sondern auch an das Leben selbst, an Freude, an Gemeinschaft. Aber Sichtbarkeit allein reicht nicht. Sie kann schützen – oder angreifbar machen. Wenn trans Rechte in Frage gestellt werden, betrifft das nicht nur trans Menschen. Es sendet ein Signal an alle queeren Menschen: Eure Identität ist diskutierbar. Und genau deshalb ist Solidarität mehr als ein Schlagwort. Sie ist notwendig. Als bisexuelle Menschen wünschen wir uns eine Welt, in der niemand erklären muss, wer er*sie ist. eine Welt, in der Sichtbarkeit nicht Mut erfordert, sondern selbstverständlich ist. Bis dahon bleibt dieser Tag ein Widerspruch: Ein Tag des Feierns – und ein Tag des Widerstands.
