Bijou 21

Safer Sex

oder: Bist DU wirklich aufgeklärt?

„Die Verbreitung von HIV hat laut Weltaidsbericht weltweit einen neuen Höchststand erreicht; fast 40 Mio. Menschen leben mittlerweile mit dem Aids-Erreger.“ (http://www.wikipedia.de)

Aufklärung

Spätestens ab der Pubertät fühlt sich jeder aufgeklärt und denkt, er wüsste alles über Sex. Doch ab wann ist ein Pendelhoden gefährlich? Haben nur wenige Frauen einen vaginalen Orgasmus? Wie viele Jugendliche haben nun genau Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht? Woran merkt man, dass man Syphilis hat? Und kann man von Cunnilingus HIV bekommen? – Dass man mit Kondomen verhüten und sich vor Geschlechtskrankheiten schützen kann, weiß jedes Kind, aber bei den Detailfragen muss fast jeder passen!

Nur wenige fragen auch wirklich nach, sondern prahlen mit ihrem Halbwissen, ignorieren große Gefahren oder geraten in Panik.

Gefahrenjunkies

Da gibt es auf der einen Seite viele, die denken, die einzige Gefahr ginge von ungeschützten Vaginal- und Analverkehr aus. Dass Fellatio bis zum Samenerguss auch eine geringe Gefahr der HIV-Infektion birgt, wissen noch die meisten, aber auch nicht alle. Dass man aber selbst durch Küssen oder Oralverkehr Hepatitis oder Syphillis bekommen kann, übergehen viele schon.

In der Schwulenszene gibt es einen Teil, der Bareback praktiziert, d. h. bewusst Analverker ohne Schutz, meist sogar mit Fremden und somit einem großen Risiko, HIV zu bekommen. Es gibt sogar einzelne Profile bei gayromeo, in denen die User offen sagen, dass sie den HI-Virus haben, aber trotzdem Sex ohne Kondom wollen.

Aber ist so eine Offenheit nicht viel besser als Leute, die heimlich andere anstecken – entweder obwohl sie über ihre eigene Krankheit wissen oder weil sie total ahnungslos sind? Nur ist so eine Ansteckung nicht auch schwerwiegende Körperverletzung? Sind solche sorglosen, spaßsüchtigen Menschen nicht völlig verantwortungslos gegenüber anderen?

Panikhysteriker

Auf der andere Seite sind da Menschen, die aus Angst vor Aids alles mit Kondom machen: Verkehr mit fremden Partnern, mit dem eigenen Partner, Oralverkehr, und Küssen gibt's schon gar nicht! Für Lesben ist da noch das „Dental Dam“ (Schutztuch für Cunnilingus). Menschen, die andere Vorstellungen haben, werden im Internet von solchen Fanatikern gleich gesperrt. Eine Unterhaltung über Safer Sex ist ein Tabu, Sicherheit ginge vor, was für diese bedeutet, dass man gar nicht erst darüber redet!

Aber macht Sex dann noch Spaß, wenn man sich ein Ganzkörperkondom überzieht und eh nichts mehr fühlt? Es gibt Menschen, die mit Kondom kaum etwas spüren. Andere mögen Spermaspiele. Müssen solche Leute gleich beim Gedanken daran verbannt werden? Und ist es wirklich so gefährlich, todkrank zu werden, wenn man mit einem langjährigen ehrlichen offenen vermutlich treuen Partner nach einem Test auf das Kondom verzichtet? Oder ist alles andere nur Panikmache?

Umgang mit Wahrscheinlichkeiten

Das Leben ist lebensgefährlich! Zu jedem Zeitpunkt. Aber man muss ja nicht beim Bungeejumping mit einem morschen Seil und Sprengladungen am Körper ungetestete Drogen ausprobieren … aber wer sich seine Sexpartner aussucht UND (!) mit ihnen offen über Risiken redet UND (!) sich gegenseitig einen Test zeigt, lebt sicherer als die meisten anderen! Im Straßenverkehr kann man auch sterben, aber deswegen fährt man doch Fahrrad … wenn auch nicht jeder ohne Helm!

Was ich sagen will: Jeder sollte sich über die Risiken informieren und offen und klar damit umgehen.

Für mich wäre der Spaßfaktor einer ungeschützten Orgie mit wildfremden gleichgültigen Junkies zu klein im Vergleich mit der Gefahr. Genauso wie bei einem One Night Stand mit einem Typen, der einem aber schwört, dass er es sonst immer mit Kondom macht! Dagegen finde ich das Risiko, mit einem einzigen vertrautem Partner oder einem Paar, mit dem man lange darüber gesprochen hat, die Lebensweise kennen gelernt und einen Test ausgetauscht hat, ohne Schutz zu schlafen, risikoarm, aber eindeutig lustvoller.

Wie.gefährlich.ist.es.denn.nun?

Es kommt ganz entscheidend auf folgende Faktoren an:

  1. benutzt man einen Schutz,
  2. welche Sexualpraktik wendet man an,
  3. mit wem hat man Sex,
  4. wie oft hat man Sex.

1. Schutz:

Ein Kondom beim Vaginal-, Oral- und Analverkehr schützt zu einem sehr hohen Prozentsatz vor allen Geschlechtskrankheiten, solange man es richtig anwendet. Dann kann man auch mit einem Infizierten immer wieder Sex haben.

2. Sexualpraktiken:

3. Art des Sexualpartners:

Immer wieder, auch heutzutage gibt es naive Leute, die behaupten, sie sähen es anderen Menschen an, ob sie HIV hätten. Das ist natürlich Quatsch! Dennoch kommt es auf den Sexualpartner an:

Wer mit dem eigenen langjährigen Partner ohne Schutz schläft, ihm absolut vertraut, über alle sexuellen Wünsche redet und sich verspricht, beim Seitensprung sich alles zu erzählen und dann nicht gleich durchzudrehen und die Beziehung zu beenden, wer also mit einem Partner ohne Schutz schläft, mit dem man ganz offen und ehrlich gegenseitig umgeht, braucht sich vermutlich keine zu großen Sorgen machen, sich zu infizieren, da die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering ist, dass er oder sie HIV hat.

Wer aber mit jemandem Sex hat, den er gerade mal mit Namen kennt und wohlmöglich noch beim anonymen Cruising (spontaner Männersex an bestimmten Orten) trifft, hat natürlich eine größere Chance, dass der andere Krankheiten hat. Auch eine attraktive Frau in der Disco, die einem immerhin schon zehn Stories aus ihrem Leben erzählt hat, ist sicherlich eher infiziert als der beste Freund, mit dem man über alles redet und der regelmäßig einen HIV-Test macht!

Sicher sein kann man sich bei keinem Sexpartner, aber gerade wenn man offen miteinander redet, kann man das Sexverhalten des anderen etwas besser einschätzen.

Übrigens seien die Statistiken hinterfragt, die immer wieder die These aufstellen, dass Schwule deutlich mehr HIV-Infektionen aufweisen oder neu bekommen als Heterosexuelle. Denn HIV-Infektionen kann ja keiner messen, sondern nur durch HIV-Tests belegte HIV-Infektionen. Und ich denke, dass Schwule sich häufiger testen als Heterosexuelle, die die eigene Gefahr gar nicht erkennen. Deswegen ist so eine Statistik eventuell gar nicht aussagekräftig.

4. Häufigkeiten des Verkehrs:

Je häufiger man ungeschützten Verkehr hat, um so wahrscheinlicher wird eine Infektion. Beispiel: Bei einmal ungeschütztem Vaginalverkehr mit einem HIV-Positiven liegt die Infektionswahrscheinlichkeit ca. bei 0,1%. Bei 100 Mal dagegen schon bei ca. 9,5%.

Zum Schluss noch drei interessante Informationen:

Der normale ELISA-HIV-Test hat erst nach 12 Wochen eine Sicherheit von min. 95%. Aber es gibt auch noch einen RT-PCR-Test, der schon nach 10-15 Tagen eine genaue Aussage machen kann. Allerdings ist dieser wesentlich teurer, weswegen er nur bei akutem Risikokontakt eingesetzt wird.

Es gibt eine Behandlung und mögliche Heilung im Falle von sofortigem Beginn der Medikamententherapie nach Infektion. Das ganze nennt sich Post-Expositions-Prophylaxe oder kurz PEP. Der wirklich sehr zeitnahe Beginn nach der Infektion und das Durchhalten von 4 Wochen Einnahme bei eventuellen Nebenwirkungen ist dabei zwingend, aber nicht zwangsläufig erfolgversprechend.

Kondomspray

Es klingt wie ein Scherz, aber in Deutschland wird tatsächlich gerade an einem Spraykondom gearbeitet, das Mitte 2008 erhältlich sein soll und sich dem Penis individuell anpasst: www.spraykondom.de(externer Link) ! Was sich auf jeden Fall logisch anhört, ist das Problem, dass die meisten Männer nicht auf die richtige Größe des Kondoms gucken, sondern die Einheitsgröße wählen, die dann zum Platzen des Kondoms oder Gefühlsverlust führen kann.

Alle medizinischen Informationen hier sind ohne Gewähr!

Quellen: www.wikipedia.de(externer Link) , www.aids.de(externer Link) , www.welt.de(externer Link)

Frank

Aktualisiert: 01/2007
Persönliche Einstellungen (nur für grafische Browser relevant)   Wie geht das?