Ich möchte euch gerne aus meiner Sicht etwas schreiben über das Mixed- Bi-Treffen (also offenes Treffen für Männer und Frauen und auch Nicht-Bis, die z. B. mit einem Bi eine Partnerschaft haben, oder Leute, die eine Annäherung dazu erfahren möchten) in Meschede, welches vom 02.-05.06.06 stattgefunden hat.
50 Menschen haben daran teilnehmen können, und zwei konnten leider nicht mehr teilnehmen, weil die Kapazität erschöpft war. Darüber hinaus habe ich noch 5 Partygäste (sowie ein Schmuggelpartygast aus einer anderen Gruppe) gezählt.
Bei unserer Party „Märchen und Mythen“ gab es viele schöne Kostüme zu bewundern und ein exotisches Getränk namens Einhornmilch, welches aus Vanilleeis, Wodka und Sekt gemischt wurde. Lakritz, Kekse, Süßes usw. wurde auch spendiert (wenn man denn dann überhaupt zum Naschen dieser Sachen gekommen ist ;-)). Viel Spaß hat mir auch das Tanzen von mittelalterlichen Tänzen mit Frank gemacht. Er hat es mit Witz verstanden, in seiner Inszenierung an unseren bunten Abschiedsabend auch unserem Geburtstagskind eine besondere Ehre zu erweisen. Der Tanz mit etwa 40 Tänzern (einige haben dem Treiben lieber zugesehen oder fielen krankheits- oder verletzungsbedingt aus) auf recht engem Raum hat uns sehr viel Spaß gemacht. In der Nacht konnten wir schließlich in den Geburtstag unseres einen Vorstandes David hineinfeiern.
Ein reichhaltiges Workshop-Angebot war wieder auf dem Treffen zu finden: Z.B. wurde ein SM-Gesprächsworkshop angeboten, der -wie ich von Teilnehmern hörte- sehr gut und einfühlsam gewesen sein soll. Oder der Fotoworkshop „erotische Fantasien“: Hier durfte jeder von den 12 Teilnehmern eine erotische Fantasie äußern, die er sich bildlich vorstellte. Die beiden Leiter des Workshops hatten entsprechende Utensilien mitgebracht – ebenso wie die Teilnehmer. Euphorische und gute Fotografen, gute Blicke und schöne Visionen, dich ich gerne mit umgesetzt habe.
Auch ich war im Fotografierfieber, und es gab Augenblicke, die ich gerne festgehalten hätte, die Kamera aber gerade vergeben war (ich glaube, es ist einigen ähnlich ergangen). Wir hatten zwei identische Kameras und zwar eine Männerkamera und eine Frauenkamera, weil wir experimentieren wollten, ob es da Unterschiede gibt – es konnte aber nicht deutlich erkannt werden. Derjenige, der sein „Bild“ umgesetzt hat, durfte vorrangig als erstes fotografieren, wenn er denn wollte. Diejenigen, die bei ihrem eigenen Bild Modell waren, haben einen Vertreter beauftragt und abgestimmt, ob es so dem inneren Blick entsprach. Insgesamt haben wir etwas mehr als 500 Fotos im Kasten gehabt – ein paar auch als „das, wollte ich immer schon mal ausprobieren“ oder welche, die am Rande als „Making of“ und „gemütliches harmonisches zufriedenes Beieinanderliegen am Schluss“ festgehalten wurden. Die Workshopleiter haben eine Fotoauswahl getroffen und mit uns abgestimmt, welche wir an unserem bunten Abend vorstellen durften. Ich glaube, das die Bilder recht beindruckend rübergekommen sind – so zumindest die Feedbacks, die ich gehört habe. Ich bin so froh, an diesem Workshop teilgenommen zu haben. Fasziniert hat mich auch, wie unterschiedlich Bilder wirken können, wenn man von einem vorhandenen Bild den Focus auf einen Ausschnitt reduziert (weniger ist oft mehr). Menschlich haben wir gut zusammen gepasst, und auch das hat sich in den Bildern widergespiegelt – ein schönes Team mit denen es Spaß gemacht hat, was auszuprobieren.
Meine Fantasie waren übrigens 2 Frauen, so wie sie erschaffen wurden liegend zueinander hingewandt aus der Rückenperspektive, wobei eine Hand über die Taille gelegt sein sollte und transparente Tücher ein bisschen „Vermutung“ offen ließ, was ich auch aus dem Aspekt „weniger ist mehr“ oft als erotischer empfinde. Sonntagmorgen habe ich an einem Rasselworkshop teilnehmen dürfen. Die Workshopleiterin hat da etwas neu kreiert, in dem sie Elemente aus ihrer Biodanzaleiterausbildung eingeflochten hat. Es war eine schöne spirituelle Erfahrung in der Natur. Der Rasselrhythmus (etwa 200 Schläge/Minute) ist wissenschaftlich erwiesen sehr heilsam, entspricht der Frequenz des Schnurren einer Katze (gute Knochenbildung). Meschede hat eine traumhafte Landschaft, und so konnte ich auch hiervon etwas genießen. Eine Freundin und ich konnten durch das gegenseitige Hören des Herzschlages unsere vorabendliche Begegnung abrunden.
Wir haben gemeinsam die Natur mit verbundenen Augen erspüren dürfen (der Partner hat jeweils geführt) und bekamen gegenseitig ein schönes Bild geschenkt. Mit Frank hatte ich eine sehr heilsame Übung durch gegenseitiges Ausstreichen des Körpers mit Intonisierung des Namens. Und als zum Schluss die ganze Rasselbande im Kreis stand und die Möglichkeit bestand, in Bärenhaltung in den Kreis zu treten, bin ich in eine Art Trancezustand geraten, der bewirkte, das plötzlich Glückstränen über die Wangen rannen – ich fühlte eine Befreiung im Kontrast zu meiner autoritären Erziehung.
Sonntagnachmittag habe ich schließlich am „Sexlabor“ eines Sexualtherapeuten und Teilnehmer des Treffens teilgenommen. Es war eine Art Gruppensexerfahrung mit Menschen, die sich über Jahre hinweg schon vertraut sind. Ich habe diese Erfahrung sehr genossen, weiß aber, dass ich ohne „Aufpasser“ meine Hingabe nicht ausleben könnte.
Samstagmorgen bin ich als Frühaufsteher auch um 8.00 Uhr vor dem Frühstück zu der angebotenen Kundalinimeditation gegangen. Sie besteht aus 4 Abschnitten: 1. Schütteln mit Lautunterstützung, 2. Freier Tanz, 3. stille Sitzmeditation 4. stille Liegemeditation. Insgesamt waren wir mit 5 Frauen dort und es war ein schöner Tagesbeginn.
Weitere Workshopangebote konnte ich leider wegen Terminüberschneidungen nicht wahr nehmen. Es gab da die mittelalterlichen Tänze, die Meditation „Mythos Mensch“, Jeux Dramatiques, Heilmassage, geheimnisvolle Energiearbeit, Coming Out-Gesprächskreis, Kuschelparty, Biodanza und eine Schreibwerkstatt.
Die Räumlichkeiten eigneten sich gut für unsere Unterfangen – wir hatten auch eine schöne Kaminecke. Die Zimmerverteilung klappte nach anfänglichen Tauschaktionen dann auch ganz gut.
Die Treffen wären ohne unser engagiertes gut eingespieltes Orga-Team in der Form nicht möglich. Die Atmosphäre ist getragen von Liebe und Achtsamkeit, und wenn jemand wegen unerfüllter Wünsche traurig ist, gibt es immer jemand der einfach „da“ ist.
Auf der Heimfahrt im Auto (diesmal kein 30 km-Stau wie auf dem Hinweg) konnte ich noch gut mit meinen Mitfahrern reflektieren, welche schönen Begegnungen da waren.
Es war ein wunderbares Wochenende, bin am Dienstagmorgen noch wie eine Schlafwandlerin durch die Gegend gelaufen und habe die notwendigen Alltagspflichten mechanisch erledigt. Ich habe so viel Warmherzigkeit am Wochenende gespürt und hatte zärtliche und lustvolle Begegnungen. Es gab auch einige, die sich verliebt haben ;-). Ich kann nicht alles in Worte fassen, was gewesen ist, bin noch so erfüllt von allem. Habe viele schöne Bilder in meinem Kopf und die Gefühle spiegeln sich warm in meinem Herzen wieder. Vor unserem Abschiedstanz bekam jeder noch ein Blatt Papier auf den Rücken, wo man anonym ein schönes Feedback geben konnte. Davon werde ich noch lange zehren – ebenso wie von den Foto-CDs.
Schöne Glücksmomente – fühle mich als wäre Öl über meine Seele gegossen worden. Eine Metapher: Ich liege im leicht bewegtem Wasser, von dem ich getragen werde, auf dem Rücken mit geschlossenen Augen, und tanke Sonnenenergie auf. Ein wohliges Gefühl!
Am Dienstagmorgen beim Aufwachen höre ich den allmorgendlichen Kirchenbeitrag „carpe diem“ im Klassikradio: „Gott hat den Wunsch, dass die Menschen das Leben in ihrer ganzen Fülle genießen dürfen“, und ich habe nur gedacht „jaaa"! – Der Sommer kann kommen!
Marlies