Wieder einmal eine Steigerung unserer Präsenz:
Spaß haben wollen ALLE – sich verbindlich für zumindest stundenweise Mit- hilfe beim Auf- und Abbau des Standes oder bei der Standbetreuung bereit erklären nur Wenige. Im letzten Jahr bekamen wir noch den Stand gestellt; diesmal mussten wir selbst was besorgen. 100 € standen uns vom Verein zur Verfügung – 50 € für den Pavillon, 10 € für die Dartscheibe, 20 € für Kleingewinne (Kondome waren leider nicht von den 10 Herstellern, die Frank angeschrieben hatte, zu bekommen). Frank, Nadja und Stephan trafen sich gegen 12.30 Uhr mit Schlüssel von Christophs Keller, um dort seine Leih- gaben = 2 Biertische, 3 Bierbänke, 2 Klappstühle und 2 Flipcharts in Franks Auto (einen Transporter konnten wir leider nicht organisieren, ohne dass dies viel Geld gekostet hätte) mit Ach und Krach zu transportieren (3 Fahrten waren erforderlich).
Dann beim Standaufbau die erste Panne: Ein Auto fuhr über eine der Stan- gen. Am Stand waren dann noch Tanja und Max und Andreas, die beim Auf- bau mithalfen. Eine Rettung der Reststangen verhinderte leider das Notieren der KFZ-Nummer des Schädigers. So war der Stand, als ich gegen 14.30 Uhr an unserem Stand am Jungfernstieg eintraf. Der Pavillon war soweit aufge- baut – die Broschüren, Bijous und Pins lagen aus mit weiteren kreativ von Frank entwickelten Postkarten (Ein bisschen bi schadet nie, Ich liebe Men- schen und keine Geschlechter, bi free, Lieber bi als nie…). Unser Banner diente als Tischdecke. Die auf regenbogenfarbenem Papier aufgeklebten Fotos von uns hingen an den Pavillonwänden. Ich beschriftete dann noch die Flip-Charts und beklebte sie mit unseren Bi-Symbol-Postkarten usw. Dann kam ein Freund aus meiner schwul-les-bi buddhistischen Meditationsgruppe vorbei, und ich fragte ihn, wie ihm denn unser Stand so gefalle. Er machte noch gute Verbesserungsvorschläge. Auf diesem Wege erfuhr ich ganz ne- benbei, dass er beruflich der Gleichstellungsbeauftragte für Les-Bi-Schwule bei der Freien und Hansestadt Hamburg ist!
Ich bastelte dann noch ein Seil mit Bi-Symbolen und „Bi"-Schriftzügen – schön bunt und auffällig in Sichtbereich. Christoph kam kurz vorbei und spendete eine Tüte Plätzchen und was zu trinken. Dann machte Frank noch Werbung für seinen selbst entwickelten Bi-Test inkl. Dartwerfen (links Frau- ensymbol – rechts Männersymbol), doch bevor es so richtig los gehen konnte noch der erste Schock: plötzlich Windböen und massives Schütten brachte die Standfestigkeit unseres Pavillons in Gefahr und durchnässte viel mühevoll hergestelltes Material. Leute, die sich bei uns unterstellten hielten die Stan- gen fest. Wir befürchteten eine Wiederholung – was tun? Schließlich hatten Frank und ich die Verantwortung übernommen und wir hafteten damit auch – was wenn das Zelt in Autos oder Schaufenster knallt? Wir sahen uns bei den anderen Ständen um und entschlossen uns zum Kauf von mit Wasser zu füllenden Fußbeschwerern. Erst mal wieder Entwarnung; dann kamen Leute, informierten sich und wollten gern bei unserem Gewinnspiel (war es mehr Interesse am Spiel, an den Gewinnen oder fragten sie sich tatsächlich, ob sie Bi-Tendenzen haben ;-) ?) mitmachen. Dieser von Frank entwickelte 3-Stufen- Bi-Test (Fragen, Dart, Sehtest) war der Knüller. Es kam z. B. auch heraus, dass es beim Nachbarstand „Schlagwerk“ ganz viele Bis (u. a. Frauen, die einen leckren Anblick boten) gibt; habe sogar eine Einladung zum Tagesausflug nach Sylt zum „Vertrimm-Mich-Pfad“ bekommen! ;-)
Abends gab Frank mir dann zwei Stunden frei :o) , damit ich an der Frau- enparty Seeterrassen bei planten un blomen teilnehmen konnte. Nina (NY) hatte zwei Freikarten bekommen, weil sie einen Femmetisch neu ins Leben gerufen hat. Kaum dort angekommen lernte ich eine nette Frau aus Buxte- hude (da wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen) kennen, die Interesse hat, mich wieder zu treffen. Vielversprechend – wir haben uns zum Kaffeetrinken nach meinem Urlaub verabredet.
Pünktlich zum Standabbau vor Mitter- nacht war ich dann wieder zurück. Glück- licherweise hatte der Dorint-Hotel-Stand hinter uns angeboten, unser Equipment dort unterzustellen. Herzlichen Dank noch einmal! Bis auf das Pavillondach stellten wir alles dort unter – also: am Samstag war dann wieder Aufbau um 10 Uhr angesagt. Um ein Uhr schlief ich dann recht erschöpft mit wilden Träumen tief und fest ein.
Samstagmorgen holte ich dann Astrid aus Bassum noch schnell vom Bahn- hof ab. Andreas, Frank und ich richteten den Stand ein; dann hielt Andreas die Stellung, bis Thomas Ö. den Standdienst für 3 Stunden übernahm. Anne hatte zum Frühstück geladen, da sie Besuch aus Berlin hatte und nicht hel- fen konnte. Schön, so viele nationale (Astrid/Bassum, Svenja/Berlin etc.) und internationale (Astrid/Granada) Besucher zu haben. Bei herrlichem Sonnen- schein marschierten wir dann bei der Parade mit; meine Nachbarin entdeckte mich und ich ging in die Offensive und begrüßte sie freudestrahlend (sie weiß, dass ich bi bin, aber die Nachbarin, die sie noch mitgebracht hatte, noch nicht). Zum Umzug kam dann auch Mari, später ließen sich am Stand noch Andreas S. und Corrie aus Köln blicken, die „RAR“ repräsentierten. Wei- tere Bi-Bekannte trudelten hin und wieder ein. Christoph, Astrid/Bassum und Mari spendeten noch ne Flasche Sekt, und Nadja hatte einen Blechmarmor- kuchen mit Zuckerguss in Regenbogenfahnendesign vorbei gebracht.
So ließ es sich dann bis zum Standabbau ganz gut aushalten. Diesmal war erst um 0.45 Uhr Schluss, und ich fiel dann um 2.00 Uhr recht erschöpft ins Bett.
Sonntagmorgen ging es dann pünktlich um 10 Uhr mit Frank und Andreas beim Standaufbau weiter. In der Nacht war die übrig gebliebene Pavillon- grundkonstruktion etwas in Mitleidenschaft geraten – ließ sich aber wieder richten. Es war ruhiger als am Umzugshaupttag. Nette Gespräche über Bi- sexualität und Bi-Testungen lockerten die müde Stimmung auf, und um 15 Uhr bekamen wir dann Besuch von Anne und Svenja mit selbstgebackenem Kirsch- und Käsekuchen von Annes WG-Partnerin. Thomas, der erste Ham- burger Bijou-Redakteur, den ich am 1.8. beim Empfang im Rathaus anlässlich des CSD kennen gelernt hatte, gesellte sich zu uns, und Anne machte ein Foto von dem 1. und dem derzeit aktuellen Chef- redakteur. Auch Andreas S. und Corrie kamen kurz vorbei und er- zählten von der halbstündigen Alsterfahrt mit den „Grünen“ mit dem Solarboot (inkl. Infos über die derzeitige Schwul-Les-Bi-Politik der CDU). Frank gab sein o.k. (Anm. von Frank: 'So dominant bin ich nun auch wieder nicht!!'), und ich hatte eine Stunde Pause, um mich zu verdi und zu der schwul-les-bi-schen Sportgruppe zu begeben (wegen der Aktivitäten) und auch, um beim SPD- und MHC-Stand etc. noch Kondome für meinen privaten Gebrauch abzugreifen. Ich kam auch noch in den Genuss der letzten Boots- fahrt. Ich bin ein Glückspilz: Farid Müller, der Hamburger Grünen-Beauftrag- te für Les-Bi-Schwule, gesellte sich zu mir und der Frau, mit der ich angeregt in ein Gespräch vertieft war, und lud uns zu einem Glas Sekt ein. Mit meiner Gesprächspartnerin im Schlepptau, die ich von dem Bi-Test überzeugen konn- te, konnte ich dann beschwingt wieder mit Elan Standarbeit leisten und dort bis zum Standabbau aktiv sein. Christoph und Astrid/Granada kamen auch noch hinzu. Zum Abschluss schlürften wir dann den Schampus von Thomas Ö. und kriegten den letzten Komplettabbau dann auch noch gut auf die Rei- he – wieder war an das Bett vor Mitternacht nicht zu denken.
Es war alles in allem eine runde Sache und vor allem Frank, der bis zuletzt noch mit Begeisterung Menschen getestet hat (es gab 4 Urkunden in den Abstufungen 0-25 %, 26-49 %, 50-74% und 75-100 % Bi-Tendenzen), bekam großen Zuspruch. Wir haben eine Menge netter Menschen kennen gelernt und hoffen auf beständigen Zuwachs bei den Stammtischen. Wir hoffen auch, dass sich nächstes Jahr mehr Bis für unsere Sache engagie- ren – denn nach einem nicht erholsamen Wochenende wieder den Berufsall- tag zu durchstehen ist kräftezehrend, wenngleich wir uns mit gegenseitigen Massagen wieder belebt haben.
Für nächstes Jahr habe ich schon ein paar Ideen gesammelt, wie z. B. Body- oder Gesichtspainting (evtl. Bi-Symbol und Schriftzug oder eine Hälfte männlich eine weiblich), Wellness-Oase mit Massage als Hauptpreis für die Bi-Päpste und Päpstinnen, Märchenerzählerin für erotische Bi-Geschichten, vielleicht auch einige Beiträge aus dem Buch „Ein Frühstück zu dritt“, Safer- Sex-Schlampen-Theater, Fragebogen für Bis, weitere Literatur zur Ansicht, Bi- Comics usw. Dann kam ein Vorschlag von Anne, mal einen CSD als richtiges bundesweites Bi-Treffen um zu funktionalisieren, damit wir „mit Klasse und Masse“ beeindrucken können. Dann könnte man evtl. mit Pink Channel oder anderen Medien ein entsprechendes Interview vorbereiten (beim CSD 2005 gab es sowas Spontanes bereits kurz mit Frank und Christoph).
Wir sind dankbar über jede Anregung!!!
Marlies