Tief beeindruckt und bewegt von meinem ersten BiNe-Treffen, möchte ich einen kleinen Erlebnisbericht verfassen.
Das Treffen war so rund und so voll – ich bin mit einem sehr vollen Herzen wieder zurückgefahren, so dass es mir ein großes Bedürfnis ist, davon zu schreiben.
Ich hatte ja schon einiges vorher gehört und kannte ja einige Teilnehmer vom ZBI (Zentrum für bisexuelle Lebensweisen) aus Berlin, so dass ich mit ruhiger Erwartung dem Freitagabend entgegensah. Ich war in einer vorsichtigen Zurückhaltung und wollte mir meinen Platz langsam suchen.
Aha, das sind ja viele interessante Workshops: Kuschelparty, SM, Familienaufstellung, Erotische Fotos, Märchen, Massage – alles vielversprechende Ideen.
Also kurzentschlossen wählte ich den Workshop, der zwei Leidenschaften in mir ansprach: Fotografieren und Erotik. Kati und Peter hatten sich das Thema ausgedacht. Kraftvolle Menschen – ja mit denen will ich und kann ich.
So landete ich mit 14 Menschen in der SM-Ecke unter dem Andreas-Kreuz von der Lobbi ("lustorientierte Begegnungsstätte Bisexueller“). Doch offensichtlich hatte dieser Ort und die Nähe so vieler Menschen eine sehr anregende Wirkung, denn bald wurden die ersten erotischen Fantasien geäußert und von Kati protokolliert. Wir waren schon mittendrin und doch noch scheu. So blieb es während des ganzen Workshops – pralle Gefühle und gleichzeitig fleißig an der Aufgabe arbeiten – ein wahnsinnig anstrengender und produktiver Spagat.
Auch ich ließ mich davon mitreißen.
Schon wurde die erste erotische Stellung kreiert. Die Zunge eines Mannes sollte den Bauchnabel eines Mannes lecken. Bäuche und Zungen wurden besichtigt und die Szene begann. Die Männer waren so aufgeregt und so beschäftigt, dass fast kein Foto von der Männer-Kamera entstand.
Der Workshop sollte zeigen, ob Männer und Frauen einen unterschiedlichen erotischen Blick haben. Deshalb gab es zwei technisch identische Kameras – eine Männer- und eine Frauenkamera.
Aber die Männer holten dann schnell nach. Von Szene zu Szene wurden es mehr Bilder, die entstanden. Es war wie ein Rausch. Ich wartete schon immer sehnsüchtig auf dem Moment, wenn ich die Kamera in die Hand bekam. Es war eine Flut von Eindrücken, die lohnten fotografiert zu werden.
Während der Vormittag vorwiegend aus statischen Bilder bestand, fingen am Nachmittag die Bilder bzw. die Darsteller an, eine Eigendynamik zu entwickeln. Das war Erotik pur!!! Zwei Frauen und ein Mann voller Hingabe und Zärtlichkeit – da war keiner mehr distanziert oder scheu.
So entstanden nahezu 500 Bilder. Jede/r hatte den Mut gehabt, seine Fantasie zu kreieren.
Dann blieb noch etwas Zeit und Experimentierfreude übrig. Es bedurfte nur eines kleinen Anstoß von außen und ich verspürte den Wunsch, mich ans Andreaskreuz fesseln zu lassen. Peter übernahm die Aufgabe gern und es entwickelte sich eine Situation ohne Drehbuch, die von beiden Kameras „protokolliert“ wurde. Am Ende waren alle – Darsteller und Zuschauer – sehr bewegt. Ich fühlte mich allen sehr nahe und getragen.
Die Situation wirkte das ganze Wochenende nach. Viele Gespräche und intensive Begegnungen folgten. Ich fühlte mich sehr verbunden, nicht nur mit den Menschen des Foto-Workshops sondern mit allen. Ich war voll und ganz angekommen. Ich habe diese Zeit sehr genossen. Danke an alle, mit denen ich diese wunderbaren Erlebnisse teilen konnte und einen speziellen Gruß auf diesem Weg an Kati und Peter. Es war sehr schön mit Euch.
Kerstin